Liebe DüsseldorferInnen

Ist unsere Stadt wirklich so arm, dass SchülerInnen ab der 5ten Klasse die Waschbecken gestrichen werden müssen?

Anscheinend schon!

Zur Erklärung:

Seit 2017 spart das Schulverwaltungsamt konsequent und umfassend alle Waschbecken in den Klassen-/Unterrichtsräumen der weiterführenden Schulen ein. Bei Neubauten, wie z.B. der Toni Turek Realschule werden sie erst garnicht vorgesehen. Begründet wird das mit der Argumentation, dass Waschbecken nur beim Tafelwischen zum Schwamm auswaschen gebraucht würden. Sie könnten weggelassen werden, wenn digitale Tafeln oder Whiteboards installiert sind. All die vielen kleinen, aber wichtigen Gründe für ein Waschbecken im Klassen-/Unterrichtsraum werden dabei ignoriert.

Am 26.5.2020 entschied sich der Schulausschuss mit 12 zu 7 Stimmen gegen einen durch Elternproteste motivierten Antrag der CDU, in dem für den Erhalt der Waschbecken plädiert wurde. Mit diesem richtungsweisenden Entscheid werden die Sparmaßnahmen nun offiziell bei zukünftigen Baumaßnahmen angewendet werden. Die Waschbecken werden bei Sanierungen in den Klassen-/Unterrichtsräumen der weiterführenden Schulen wegfallen.

Gerade in Zeiten von Corona mutet diese Richtungsentscheidung wie ein Irrwitz an. Hygieneexperten empfehlen Händewaschen als wesentliche Präventionsmaßnahme und selbst in Fernsehwerbung wird die Wichtigkeit des Händewaschens FÜR ALLE betont. Gegensätzlich zu diesen Empfehlungen wird durch die Entscheidung des Schulausschusses allen Schülern und Schülerinnen ab der 5. Klasse der leichte Zugang zu Waschbecken genommen. Als wenn Hände waschen ab 10 oder 11 Jahren entbehrlich wäre.

Erfreulicherweise sind Waschbecken an Grundschulen verpflichtend vorgeschrieben, nachdem nach Protesten von Eltern, Erzieher/Erzieherinnen und Schulleitern/Schulleiterinnen die Waschbecken ins pädagogische Konzept der Grundschulen aufgenommen wurden. Dort müssen Kinder ja noch das richtige, regelmäßige und ausreichende Händewaschen erlernen.
In den weiterführenden Schulen reicht es, wenn sich Kinder den Dreck abklopfen oder gleichmäßig verteilen?

Auf Nachfragen bei der Stadt wurden stets beschwichtigende Antworten geliefert: Das werde standortbezogen …, im Bedarfsfall …, usw. entschieden. Waschbecken seien außerdem eine enorme Gesundheitsgefahr für Schüler …
(Warum stellen sie für Grundschüler keine Gefahr dar, sondern sind sogar für Grundschulen verpflichtend?)

Und was hat das genau jetzt mit zu arm für Waschbecken zu tun??
Ganz einfach, die Stadt rühmt sich mit einem Schulbauprogramm, welches in den letzten Jahren gesamt 1,3 Mrd. € kostete, sagt aber gleichzeitig die rund 400.000 € pro Schule, um die Waschbecken zu erhalten, seien zu viel Geld. Mal kurz umgerechnet: 1,3 Mrd. sind 1.300 Millionen. Bei derzeit rund 20 betroffenen Schulen an denen die Waschbecken eingespart wurden/werden sollen, wären das etwa 8 Millionen zusätzlich … also ganze 0,61%, und das nicht innerhalb eines Jahres, sondern seit 2015. Also etwas mehr als 1,5 Millionen pro Jahr gespart.

Mann, muss die Stadt Düsseldorf arm sein, wenn 100 Millionen dieses Jahr in IT an den Schulen gesteckt wird, aber die 1,5 Millionen pro Jahr für Waschbecken nicht mehr da sind.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich bewundere die Anstrengungen der Stadt für unsere Schüler. Es wird viel Geld in die Hand genommen und viel bewegt. Aber einen hygienisch und pädagogisch wichtigen und wertvollen Standard (ein Klassenzimmer braucht ein Waschbecken) aufzugeben ist einfach für viele nicht nachvollziehbar.

Auch und gerade weil wir eben nicht mehr in der Steinzeit leben!
Und selbst die im Schulausschuss zitierten maximal 20m bis zum nächsten Waschbecken (die würde ich gerne mal nachmessen, an welcher Schule genau waren die?) sind bei Nasenbluten oder Tinte an den Fingern manchmal schon zu weit.